Caesar und Kleopatra auf der Enterprise: The Conscience of the King

Ceasar und Kleopatra auf der Enterprise

In der Episode „The Conscience of the King“ (dt.: Kodos, der Henker; Staffe 1 Folge 13) der ursprünglichen Star Trek-Serie befindet sich Captain James T. Kirk (William Shatner) mit einer jungen Schauspielerin namens Lenore (Barbara Anderson) auf einem Aussichtdeck der Enterprise. Während es stark zwischen dem Captain und der Schauspielerin knistert, bezeichnet letztere ihn aufgrund der Macht, über die Kirk als Captain der Enterprise verfügt, als „Caesar of the Stars“, wobei sie natürlich von sich selbst spricht, wenn Sie ergänzt: „And Cleopatra to worship him“. Gegen Ende der Folge warnt Lenore Kirk schließlich noch vor den Iden des März.

Betrachten wir die Folge ausführlicher, um diese Antikenrezeption richtig einordnen zu können.

The Conscience of the King

In der Folge geht es um den Gouverneur der Erdenkolonie Tarsus IV, der einst ein schreckliches Verbrechen begangen hat. Denn Kodos (Arnold Moss) – so der Name des Gouverneurs – hatte während einer Hungerkrise angeordnet, über die Hälfte der Bevölkerung hinzurichten, um das Überleben der Übrigen zu gewährleisten, wobei er sich anmaßte, anhand seiner persönlichen Kriterien zu entscheiden, wer leben durfte und wer sterben musste. Tragischerweise befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits Schiffe mit rettenden Nahrungsmitteln auf dem Weg nach Tarsus, weshalb die ohnehin schon fragwürdige Entscheidung letztlich völlig unnötig war.

Kodos galt seit 20 Jahren als verstorben, doch glaubt ein Freund Kirks, Kodos im Theaterschauspieler Anton Karidian wiedererkannt zu haben. Kirk ist zunächst skeptisch, doch nimmt er sich der Sache an, nachdem der betreffende Freund ermordet aufgefunden wird. Denn es stellt sich heraus, dass es nur neun Personen gibt, die Kodos mit eigenen Augen gesehen haben und dementsprechend identifizieren können. Und von diesen neun Menschen leben nur noch Kirk und ein weiteres Besatzungsmitglied der Enterprise, denn die anderen verstarben alle, während sich Karidians Theatergruppe in der Nähe befand.

Es stellt sich heraus, dass Lenore alle Augenzeugen ermordet hat, um ihren Vater Anton Karidian/Kodos zu schützen. Dementsprechend schweben nun auch Kirk und das Besatzungsmitglied in höchster Lebensgefahr …

Die Funktion der Rezeption

Einerseits spielt die Parallelisierung Kirk/Lenore mit Caesar/Kleopatra natürlich auf die sich anbahnende romantische Beziehung zwischen einem mächtigen Mann und einer verführerischen Frau an, wobei diese Darstellung nicht zwingend dem realen Verhältnis zwischen Caesar und Kleopatra VII. entspricht.1 Andererseits ist bekannt, dass Caesar und Kleopatra kein glückliches Ende beschieden war. Und wie Brutus und seine Mitstreiter Caesar an den Iden des März ermordeten, um die Republik zu retten, plant Lenore den Tod des Raumschiffkapitäns, um ihren Vater vor der Strafverfolgung zu schützen.

Shakespeare im Weltraum

Anton Karidians Theatergruppe führt zu Beginn der Folge Shakespeares „Macbeth“ auf. Der Titel der Folge („The Conscience of the King“) entstammt dem Stück „Hamlet“ (Akt 2, Szene 2) das im Verlauf der Handlung von den Theaterschauspieler*innen auf der Enterprise inszeniert wird. Auch die Handlung der Folge weist verschiedene Parallelen zu „Hamlet“ auf. Dementsprechend dürften auch die Bezüge auf Caesar und Kleopatra auf Shakespeares „The Tragedy of Julius Caesar“ zurückzuführen sein.

Tarsus IV

Dass Kodoss der Gouverneur von Tarsus IV gewesen ist, könnte darauf hindeuten, dass hier mehr vorliegt als eine reine Antikenrezeption via Shakespeare. Denn im kleinasiatischen Tarsos trafen 41 v.Chr. Marcus Antonius und Kleopatra aufeinander, was schließlich zu einer Beziehung zwischen den beiden führen sollte. Da „Antony and Cleopatra“ aber ein weiteres Shakespeare-Stück darstellt, könnte es sich auch hier einfach um erweiterte Kenntnisse über die Literaturgeschichte handeln, auch wenn Tarsos, wenn ich richtig sehe, in diesem Stück nicht explizit erwähnt wird.

Da „The Conscience of the King“ aus dem Jahr 1966 stammt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Drehbuchautor Barry Trivers auch die aufwendige Cleopatra-Verfilmung von 1963 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton im Kopf hatte, da dieser Film das Aufeinandertreffen in Tarsos groß in Szene setzt.2 Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch „Cleopatra“ gelegentlich an Shakespeares Werke erinnert.

Dass Trivers gebürtig aus Ägypten stammte, könnte ein gewisses Interesse für Kleopatra erklären, was aber letztlich Spekulation bleiben muss.

Schlussbetrachtungen

Natürlich ist die Antikenrezeption in „The Conscience of the King“ im Vergleich zu derjenigen der Star Trek-Folgen „Who mourns for Adonais„, „Plato’s Stepchildren“ und „Bread and Cirsuses“ äußerst marginal. Nichtsdestotrotz erinnert sie uns daran, dass sich Antikenrezeption nicht zwingend auf die Antike selbst beziehen muss, sondern auch von früheren Rezeptionen der Antike in Kunst und (Populär-)Kultur inspiriert sein kann.

The Conscience of the king
Caesar und Kleopatra (Photo: Michael Kleu)

Eine ausführliche Besprechung der Folge findet Ihr bei Trek am Dienstag.

 

Anmerkungen

  1. Für ein realistischeres Bild Kleopatras VII. vgl. z.B. Christoph Schäfer: Kleopatra, Darmstadt  2006 sowie die Besprechungen dieses Buches bei H-Soz-Kult und sehepunkte.
  2. Vgl. zu diesem Film z.B. Jon Solomon: The Ancient World in the Cinema. Revised and Expanded Edition, New Haven 2001, besonders S.67-77.

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