Gedanken zu „Assassin’s Creed Odyssey“ (II)

Und weiter geht es mit Gedanken zu „Assassin’s Creed Odyssey“, nachdem wir in Teil 1 dieser Artikelreihe bereits die Grundlagen besprochen haben. Heute geht es mit neuen Punkten weiter, die mir beim Spielen aufgefallen sind.

Die Antike war bunt!

Wenn wir an die Antike denken, schweben uns oft gedanklich weiße Säulenhallen mit weißen Statuen etc. vor, was einen sehr erhabenen Eindruck macht. Tatsächlich war die Antike aber recht bunt. Das Weiß stammt nur daher, dass die Farbe im Laufe der Jahrtausende weitgehend verschwunden ist. Doch wissen wir anhand erhaltener Partikel immerhin teilweise, um welche Farben es sich ursprünglich gehandelt hat, auch wenn wir bezüglich der genauen Nuancen dieser Farben keine genauen Aussagen machen können.

Auf den ersten Blick erscheint es erstaunlich, dass die Antike immer wieder in weiß dargestellt wird, obwohl schon länger bekannt ist, dass dies nicht stimmt. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass dies mit Gewohnheiten und Erwartungen zusammenhängt. Denn zur Zeit der Historienmalerei wusste man noch nichts vom ursprünglichen Farbenreichtum und stellte antike Städte, Räume etc. daher in der Regel weiß dar. Und viele dieser Bilder erwiesen sich als äußerst einflussreich, sodass sie auch die frühen Filmproduktionen prägten. Über Gemälde und Film hat sich daher eine optische Erwartungshaltung der Rezipierenden – also der Betrachter*innen oder Zuschauer*innen – entwickelt. Wenn man weiß, dass in Kürze in einem Film ein Tempel gezeigt werden wird, geht man fast automatisch davon aus, dass dieser weiß sein wird.

Nun ist vielen Kulturschaffenden natürlich bewusst, dass die Antike nicht weiß, sondern bunt gewesen ist. Dennoch bedienen sie gelegentlich weiterhin die falschen Vorstellungen der Rezipierenden, um deren Erwartungen zu erfüllen. (Ähnlich verhält sich das bei den Hörnern an Wikingerhelmen, die es nie gegeben hat.) Umso begrüßenswerter ist es, dass Ubisoft mit „Odyssey“ dazu übergegangen ist, uns ein realistischeres Bild der antiken Welt zu präsentieren.

Um einen Eindruck von der Buntheit im Spiel zu vermitteln, verlinke ich noch einmal die „Sightseeing-Tour“ durch Athen:

Seekämpfe – Rammmanöver und Bogenschützen

Als „Assassin’s Creed Odyssey“ gerade erschienen war, kritisierte ich in meiner Funktion als (etwas eingerosteter) Spezialist für antike Seekriegsführung in einem Radio-Interview, dass die Kämpfe zur See ein wenig zu sehr von Bogenschützen dominiert würden. Tatsächlich bekämpften sich Kriegsschiffe zur hier relevanten Zeit ja in der Regel durch Rammmanöver. Nachdem ich nun etwas mehr Zeit mit dem Spiel verbracht habe, muss ich feststellen, dass man durchaus feindliche Schiffe durch Rammen versenken kann. Dass es auch per Bogenschützen geht, ist aus spielpraktischen Gründen in Ordnung, da es die Kämpfe vereinfacht und verkürzt.

Die Schiffstypen entsprechen bisher nicht den Standardmodellen des 5. Jh. v.Chr. Vielleicht tauchen die Trieren aber noch zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel auf.

Das Megarische Psephisma

Unter dem Megarischen Psephisma versteht man einen Volksbeschluss (psephisma) des demokratischen Athens, der zur Folge hatte, dass die Stadt Megara mit einem Handelsverbot belegt wurde. Dieser Beschluss stammt aus dem Jahr 433 v.Chr. und gilt als einer der direkten Auslöser des Peloponnesischen Krieges. Schließlich war Megara ein Mitglied des von Sparta angeführten Peloponnesischen Bundes.

Insofern habe ich es als passend empfunden, dass es Kassandra/Alexeios zunächst nach Megara verschlägt, wenn alle Abenteuer auf Kephallenia erfolgreich beendet sind. Und womit wird man dort zuerst konfrontiert? Mit zwei athenischen Schiffen, die die Zufahrt versperren.

Kassandra in der Rüstung Philipps II.

Obwohl das antike Makedonien zu meinen Hauptforschungsgebieten zählt, habe ich eine Weile gebraucht, um zu bemerken, dass ich derzeitig in einer Rüstung herumlaufe, die deutlich an diejenige angelehnt ist, die im Grab von Vergina gefunden wurde und möglicherweise König Philipp II. (etwa 382 v.Chr. – 336 v.Chr.) gehört hat, dem Vater Alexanders des Großen. (Zum Vergleich findet Ihr hier und hier Bilder der Rüstung aus Vergina.) Der Makedonienbezug wird noch zusätzlich dadurch verdeutlicht, dass der sogenannte Stern von Vergina auf den Schultergurten angebracht wurde. Denn bei diesem Stern handelt es sich um ein Symbol, dass – wenn auch wohl fälschlich – für ein Zeichen der makedonischen Könige gehalten wird. Natürlich stammt die Vorlage aus einem späteren Jahrhundert, doch mag ich es sehr, wenn die Spielemacher*innen ganz beiläufig derart kleine Details in das Spiel einbauen. Warum diese Rüstung aber nun als Megaris-Chiton (also Chiton aus der Landschaft Megaris) bezeichnet wird, muss wohl ein Geheimnis bleiben, da ein Chiton nichts mit einer Rüstung zu tun hat, sondern ein Gewand aus Wolle oder Leinen ist.

Assassin’s Creed® Odyssey: Kassandra in der „Rüstung Philipps II.“
Assassin’s Creed® Odyssey: Kassandra in der „Rüstung Philipps II.“
Ausblick

Jetzt, wo ich einmal mit der Rubrik angefangen habe, fällt es mir wesentlich leichter als zuvor, die Fülle der Eindrücke zu verarbeiten. Daher werden ab jetzt regelmäßiger Artikel zu „Assassin’s Creed Odyssey“ erscheinen.

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