Star Wars – Ein Sophokles-Remake?

Heute möchte ich einen von Jan Küveler verfassten Artikel besprechen, der am 16.12.2029 unter dem Titel „Sophokles‘ ‚König Ödipus‘ –  ‚Star Wars‘ ist in Wirklichkeit 2.500 Jahre alt“ auf Welt.de erschien. Das Fazit dieses Artikels lautet, dass es sich bei Star Wars um ein Remake handele.

Betrachten wir im Folgenden die Vorgehensweise Küvelers, um zu zeigen, wie die Auseinandersetzung mit Antikenrezeption in der Phantastik nicht aussehen sollte.

Star Wars ist ein Remake – Die Argumentation Küvelers

Zunächst einmal beobachtet Küveler völlig korrekt, dass sich in den „Star Wars“-Episoden IV bis VI eine junger Mann – Luke Skywalker – in seine Schwester verliebt und seinen Vater bekämpft. Wie Ödipus, der unwissentlich seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet, weiß auch Luke nicht, dass es sich bei Prinzessin Leia und Darth Vader um seine Schwester und seinen Vater handelt.

Goerge Lucas habe also lediglich Sophokles‘ „König Ödipus“ in den Weltraum verlegt. Genaugenommen habe Lucas dabei nicht die sophokleische Version gewählt, sondern die spätere Behandlung des Stoffs durch Seneca. Eher scherzhaft fügt Küveler noch hinzu, dass der Wookie Chewbacca und die Ewoks den Chor ersetzten, der einen elementarer Bestandteil der griechischen Tragödie darstellte.

Star Wars ist kein Remake – Die Gegenargumentation

Natürlich ist es nicht das Ziel Küvelers, eine wissenschaftliche Untersuchung zu veröffentlichen. Als „Chefkorrespondent Feuilleton“ geht es ihm darum, einen interessanten Text zu schreiben und damit viele LeserInnen zu generieren. Dennoch macht es sich Küveler ein bisschen zu einfach.

Es steht außer Frage, dass George Lucas Motive des Ödipus-Mythos aufgriff und in abgewandelter Form für „Star Wars“ verwendete. So steht der zunächst unwissentlich seinen Vater bekämpfende – aber nicht tötende – Luke selbstverständlich in einer auf Ödipus zurückzuführenden Traditionslinie. Ebenso steht außer Frage, dass Lukes Liebe zu Leia eine Variante der Hochzeit zwischen Ödipus und seiner Mutter ist.

Nun ist es aber eben die große kulturelle Leistung des George Lucas, dass er sich nicht nur bei Ödipus bediente, sondern aus zahlreichen Kulturen und diversen Mediengattungen die verschiedensten Elemente übernahm und äußerst erfolgreich zu etwas völlig Neuem verband. George Lucas griff einzelne Motive aus dem Ödipus-Mythos auf. Er erzählt ihn aber keineswegs nach. Insofern ist der Begriff Remake hier völlig deplatziert, da er gänzlich verkennt, was George Lucas geschaffen hat.

In den Kommentaren unter dem Artikel merkt ein Leser an, dass die Ideen, Darth Vader zum Vater und Leia zur Schwester Lukes zu machen, nicht von vorneherein feststanden. Auch dies spricht gegen die Verwendung des Begriffs Remake. Dennoch handelt es sich dennoch zweifelsfrei um Motive aus dem Ödipus-Mythos. Dass es erst während der Vorbereitungen zu Episode V und VI zu ihrer Übernahme kam, tut diesbezüglich nichts zur Sache.

Man könnte noch darauf eingehen, dass Küveler „Star Wars“ etwas unreflektiert als Science Fiction bezeichnet, aber das würde hier jetzt etwas zu weit führen.

Photo: Michael Kleu

Schlussbetrachtungen

Weshalb greife ich den Artikel auf fantastischeantike.de auf? Küveler macht hier etwas, das uns allen leicht passieren kann und sicherlich hin und wieder auch wirklich passiert. Wir entdecken etwas und sind dann so begeistert davon, dass unsere Interpretation deutlich über das Ziel hinausschießt.

Dieser Welt.de-Artikel soll uns daher alle daran erinnern, bei der Untersuchung immer selbstkritisch und reflektiert vorzugehen. Was kann ich mit Sicherheit sagen, was ist wahrscheinlich oder zumindest im Bereich des Möglichen? Was ist reine Spekulation oder schlicht überinterpretiert? Nur durch eine gründliche und seriöse Arbeitsweise können wir zu aussagekräftigen Ergebnissen kommen.

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