Antikenrezeption in der Fantasy (Buchvorstellung)

Nachdem im Jahr 2019 Antikenrezeption in der Science Fiction erschienen ist, folgte im Oktober 2020 mit Antikenrezeption in der Fantasy endlich der neue Sammelband aus unserer kleinen Reihe zur Antikenrezeption in der Phantastik. Werfen wir also einen Blick auf die einzelnen Beiträge der Neuerscheinung.

Antikenrezeption in der Fantasy – Ein Überblick

Fantasy-Welten, wie wir sie etwa aus den Werken J.R.R. Tolkiens oder G.R.R. Martins kennen, sind bekanntlich in mancherlei Hinsicht an das europäische Mittelalter angelehnt. Weniger bekannt ist jedoch, dass diese Welten gleichzeitig auch starke Bezüge zur Antike aufweisen, was umso mehr noch für einige Fantasy-Erzählungen gilt, die in abgewandelten Formen unserer Gegenwart spielen. Der vorliegende Sammelband zeigt aus interdisziplinärer und internationaler Perspektive unterschiedliche Formen dieser Antikenrezeption in der Fantasy anhand ausgewählter Beispiele auf.

Behandelt werden in diesem Kontext Der Herr der Ringe, Das Lied von Eis und Feuer (Game of Thrones), Harry Potter, Terry Pratchetts Scheibenwelt, Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär, Anthony Ryans Raven‘s Shadow-Reihe, Die fabelhaften Göttergirls sowie Superhelden-Comics aus den Häusern Marvel und DC. Eingeleitet werden diese Fallbeispiele durch grundlegende Überlegungen zum Verhältnis zwischen der modernen Fantasy und den Mythen und Sagen der Antike.

Die Antikenrezeption in der Fantasy im Detail

Die Grundlagen zur Antikenrezeption in der Fantasy

Nach einer kurzen Einführung von Michael Kleu bietet Frank Weinreich einen grundlegenden Einblick in das Verhältnis zwischen Antike und Fantasy, in dem zentrale Begriffe definiert und die Beziehung der Fantasy zum Mythos und zur Sage der antiken Welt vorgestellt werden.

Antike Weltbilder im Fantasy-Roman

Daran schließt mit Simon Lentzschs Untersuchung zu den Adaptionen antiker Weltbilder im Fantasy-Roman ein Ansatz an, der exemplarisch an den phantastischen Welten aus J.R.R. Tolkiens Lord of the Rings, G.R.R. Martins A Song of Ice and Fire (Game of Thrones) sowie Anthony Ryans Raven’s Shadow-Reihe vorgeführt wird und sich zukünftig auf diverse weitere Erzählungen übertragen lässt. Im Zentrum stehen dabei stereotype griechisch-römische Vorstellungen zu fernen Regionen und geographischen Räumen sowie deren Niederschlag in der modernen Fantasy.

Kinder- und Jugendliteratur

Es folgen zwei Beiträge zur Antikenrezeption in Werken, die gemeinhin der Kinder- und Jugendliteratur zugerechnet werden. Den Anfang macht Louise Jensby mit einer Untersuchung ausgewählter mythischer Geschöpfe (Basilisk, Phönix und Sphinx) im literarischen wie auch filmischen Harry Potter-Universum, wobei die Autorin einen Überblick über die bisher erschienene Literatur bietet und eine auf diversen Vorarbeiten anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beruhende eigene Methodik entwickelt, die Hintergrundinformationen zur Autorin, Zeitbezüge sowie mögliche Auswirkungen der Antikenrezeption einbezieht.

Die literarische Nachfolge der enorm erfolgreichen Harry Potter-Reihe trat Rick Riordans Percy Jackson-Universum an, das seinerseits auf verschiedene Nachahmer traf. Zu diesen zählen Die sagenhaften Götter Girls (Goddess Girls), die – wie Michael Stierstorfer herausarbeitet – klassische Internatsgeschichten mit ihren typischen Thematiken (erste Liebe, Freundschaft, Selbstfindung, Emanzipation von den Eltern, Erwachsenwerden etc.) durch das Hinzufügen griechischer Mythologie mit Fantasy-Elementen versehen.

Satirisch-amüsante Fantasy-Welten

Von der Kinder- und Jugendliteratur geht es weiter zu satirisch-amüsanten Welten. Zunächst stellt uns Katharina Kostopoulos mit Pyramids und Small Gods zwei Scheibenweltromane Terry Pratchetts vor, die einerseits eher mit Klischees der antiken Welt spielen und bekanntere Anekdoten aufgreifen, gleichzeitig aber auch tiefgreifende Überlegungen zu gesellschaftlichen und politischen Strukturen beinhalten können.

Als Vertreter deutschsprachiger Werke tritt nun in einer Untersuchung von Maja Baum Walter Moers’ Roman Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär hinzu, der bisher zwar mehrfach aus literaturwissenschaftlicher Perspektive analysiert worden ist, aber noch keine Beachtung hinsichtlich seiner Antikenrezeption gefunden hat. (Eine ältere Version dieses Beitrags könnt Ihr hier lesen oder Euch im Atlantis-Podcast anhören.)

Die kunsthistorische Perspektive

Im Anschluss an diese äußerst unterhaltsamen Varianten der Antikenrezeption in der Fantasy wechseln wir die Perspektive, wenn wir die Serie Game of Thrones (und zu einem gewissen Grad auch die zugrundeliegende Romanreihe) mit Hilfe von Dominic Riemenschneider aus dem Blickwinkel eines Kunsthistorikers betrachten, wobei der Schwerpunkt auf der Darstellung der Sieben Weltwunder liegt.

Gilgamesch und Ištar in der Comic-Welt

Zu guter Letzt verlassen wir die Antike im engeren Sinne, um eine Reise nach Mesopotamien zu Gilgamesch und der Göttin Ištar zu unternehmen, die sich beide einer großen Beliebtheit in Comics erfreuen, wobei uns Louise M. Pryke die Hintergründe näherbringt.

Wie geht es weiter?

Antikenrezeption in der Fantasy ist der zweite Sammelband unserer als Trilogie geplanten Reihe. Die Vorbereitungen zum dritten Band laufen bereits auf Hochtouren. Wovon mag das neue Buch wohl handeln? Ich sage mal so viel: Das Erscheinungsdatum liegt um den 31. Oktober 2021 und könnte – womöglich – etwas mit Halloween zu tun haben.

Wenn Ihr Fragen oder Anmerkungen zum Buch habt, könnt Ihr diese gerne unten in den Kommentaren äußern oder uns direkt kontaktieren.

Antikenrezeption in der Fantasy
Photo: Michael Kleu / Cover: Danica Zeuß

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