Über den Blog

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Chefredaktion: Dr. Michael Kleu

Abteilung Comics: Tim Korylec

Englischsprachige Rubrik: Louise Jensby

Grafik/Design: Danica Zeuß

Die kostenlose Online-Fachzeitschrift „Fantastische Antike – Antikenrezeption in Science Fiction, Horror und Fantasy“ (ISSN: 2569-9687) ist aus einem abgeschlossenen Projekt hervorgegangen, dass der Chefradakteur Michael Kleu 2015 an der Universität zu Köln durchgeführt hat. Aufgrund des unerschöpflichen Materials werden seit Dezember 2017 etwa wöchentlich neue Artikel zur Antikenrezeption in der Phantastik veröffentlicht.

Zur Thematik:

In den Genres Science Fiction, Horror und Fantasy, die ich in diesem Blog als „Phantastik“ zusammenfasse, finden sich zahlreiche Bezüge zur Alten Geschichte. Hinsichtlich der Science Fiction ist der offensichtlichste Bezug wohl das vom Römischen Reich inspirierte galaktische Imperium, das in vielen Werken wie Frank Herberts Dune, Isaac Asimovs Foundation-Zyklus oder George Lucas’ Star Wars-Saga immer wieder eine Grundlage für die dargestellten Geschehnisse bildet. Was den Bereich Horror angeht, wird wie bei The Evil Dead, Der Exorzist oder Ghostbusters I gerne auf altorientalische Völker wie die Sumerer zurückgegriffen, wenn es um Dämonen oder mysteriöse Bücher geht. Bei der Fantasy schließlich denkt man zwar spontan eher an das Mittelalter als an die Antike, doch finden sich auch hier einige Bezüge wie z.B. in Karl Edward Wagners Kane, bei dem es sich um eine Adaption des biblischen Kains handelt. Auch erinnert der Eine Ring aus Tolkiens Lord of the Rings in mancherlei Hinsicht an den von Platon beschriebenen Ring des Gyges.

Zeichnung: Danica Zeuß; Photographie: Michael Kleu

Jedoch beschränkt sich die Antikenrezeption nicht auf derart (mehr oder weniger) offensichtliche Anleihen, sondern umfasst auch wesentlich subtilere Bereiche wie etwa die Übernahme homerischer Erzählmotive oder die Vorstellung von kulturellen Entwicklungsmodellen. Darüber hinaus spielen manche fantastische Geschichten sowohl in der “realen” als auch in virtuellen Versionen der antiken Welt und behandeln in Einzelfällen sogar die Alte Geschichte als wissenschaftliche Fachrichtung.

In diesem Blog möchte ich daher die verschiedensten Formen der Antikenrezeption in Science Fiction, Horror und Fantasy zusammentragen.

Unter Antike (oder Alte Geschichte) verstehe ich in diesem Blog im engeren Sinne die Geschichte und die Kultur des erweiterten Mittelmeerraums (Europa, Nordafrika, Vorderasien) und der angrenzenden asiatischen Gebiete bis Indien im Zeitraum von etwa 1200 v.Chr. bis ungefähr 700 n.Chr., wobei ich gelegentlich auch die Ägyptologie und die Altorientalistik einbeziehe, um auf die Rezeption von Sumerern, Ägyptern etc. eingehen zu können. Die Ägyptologie befasst sich grob gesagt mit der Geschichte Ägyptens vom 5. Jahrtausend v.Chr. bis ins 4. Jahrhundert n.Chr., während sich die Altorientalistik mit Mesopotamien und seinen Nachbarregionen in der Zeit vom ausgehenden 4. Jahrtausend v.Chr. bis ins 1. Jahrhundert n.Chr. beschäftigt. Die Bibelrezeption und die Rezeption vormittelalterlicher jüdischer Schriften ordne ich mit unter die Antikenrezeption ein.

 

Rezeptionsgeschichte bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Frage, wie und in welcher Form später lebende Menschen Elemente der Antike, der Ägyptologie und der Altorientalistik wahrnahmen, aufgriffen, interpretierten und schließlich selbst wieder in ihre kulturellen Erzeugnisse einfließen ließen. Auf die Phantastik konzentriert bedeutet dies, dass ich untersuche, auf welche Weise und ggf. auch warum antike, altägyptische und altorientalische Aspekte in den Bereichen Science Fiction, Horror und Fantasy Verwendung finden, wobei für die Untersuchungen alle denkbaren kulturelle Erzeugnisse wie etwa Literatur, Film und Fernsehen, Computerspiele, Rollenspiele etc. in Betracht kommen.

Es liegen zahlreiche Meinungen darüber vor, wie Phantastik, Fantasy, Horror und Science Fiction zu definieren sind. Auch wenn ich die genannten Begriffe grundsätzlich recht weit fasse, möchte ich dennoch kurz die Definitionen vorstellen, an denen ich mich im Groben orientiere und die größtenteils von Frank Weinreich stammen. Beginnen wir mit dem Begriff „Phantastik“, unter dem hier alle Erzählungen verstanden werden sollen, deren Inhalte die Ebene empirisch nachvollziehbarer Wirklichkeitsdarstellungen überschreiten. Letztlich konfrontiert uns die Phantastik also mit etwas, das – zumindest auf den Zeitpunkt des Entstehens der jeweiligen Geschichte bezogen – unmöglich erscheint.

Innerhalb dieses Bereiches finden sich dann verschiedene Untergattungen wie z.B. Märchen, Fabeln, Science Fiction und Fantasy. Während das Unmögliche ein zentraler Bestandteil der Fantasy und oft auch des Horror-Genres ist, verhält sich dies bei der Science Fiction ein wenig anders. Denn hier ist das Erzählte zum Zeitpunkt seiner Entstehung zwar noch nicht möglich, darf aber aufgrund des Zusatzes „science“ nicht grundsätzlich mit den uns bekannten Naturgesetzen etc. brechen. Somit handelt es sich bei Star Trek z.B. zweifelsfrei um Science Fiction, während Star Wars je nach Definition eher ein Märchen oder Fantasy ist (oder eben eine Space Opera). Bei der Fantasy sind drei Elemente bezeichnend. So muss es erstens einen Helden oder eine Gruppe von Helden geben, die über übernatürliche Kräfe oder Artefakte verfügen bzw. gegen solche ankämpfen. Das Ganze findet zweitens in einer (teil-)imaginierten Welt statt, in der drittens Magie ein real existierendes Phänomen darstellt. Im Horror-Genre treten oft übernatürliche Wesen wie Vampire, Dämonen, Werwölfe usw. auf, doch agieren diese nicht in einer imaginierten Welt, sondern brechen in unseren „normalen“ Alltag ein (Weinreich 2007 u. 2018). Natürlich kann es dabei auch zu Überschneidungen kommen. So gibt es Geschichten von H.P. Lovecraft, die sowohl zur Science Fiction als auch zum Horror zählen, während dasgleiche wohl auch für die Alien-Reihe gilt. Horror muss allerdings nicht zwangsläufig zur Phantastik zählen, da es z.B. im Fall von Stephen Kings Shining oder Misery sowie bei diversen Kannibalen- oder „Hinterwäldler“-Inzucht-Geschichten durchaus Erzählungen gibt, die ohne phantastische Elemente auskommen. In die Betrachtung eingezogen werden auch Erzählungen, die nicht gänzlich der Phantastik zugerechnet werden, aber phantastische Elemente beinhalten, wie z.B. die Abenteuergeschichten um Indiana Jones, in denen u.a. die Bundeslade und der Heilige Gral als real existierende übernatürliche Artefakte vorkommen.

Da ich alleine unmöglich alle Bücher, Computerspiele, Filme, Serien, Rollenspiele etc. kennen kann, die für das vorliegende Thema ergiebig sein könnten, greife ich immer wieder gerne auf Citizen Science zurück. Das bedeutet, dass ich mein Projekt in Internetforen, Facebook-Gruppen usw. vorstelle, um dort von interessierten „Laien“ Hinweise darauf zu erbitten, was ich mir vielleicht einmal anschauen sollte. Diese Zusammenarbeit hat sich bisher als äußerst fruchtbar erwiesen. Daher ist und bleibt der regelmäßige Austausch mit Science Fiction-, Horror- und Fantasy-Fans ein wichtiger Bestandteil dieses Projekts. (Mehr zu Citizen Science erfahrt Ihr auf dem Blog von Kristin Oswald, die mehrere Beiträge zu diesem Thema geschrieben hat.)

 

Oben zitierte Literatur:

Weinreich 2007 = F. Weinreich: Fantasy. Einführung, Essen 2007.

Weinreich 2018 = F. Weinreich: Platons Raumschiff.  Gedanken über den Einfluss der Antike auf die Science Fiction, in: M. Kleu (Hg.): Antikenrezeption in der Science Fiction [im Druck].

Titelbild Science Fiction Horror Fantasy.jpg

(Zeichnung: Danica Zeuß, Photographie: Michael Kleu)

15 Kommentare zu „Über den Blog

Gib deinen ab

  1. Klingt mega interessant 😍😍😍
    Geschichte war schon immer mein Lieblingsfach. Mit Science Fiction habe ich es nicht so.
    Aber in die Beiträge schnupper ich gerne mal rein. 🙂
    Liebe Grüße

  2. Hallo Michael,
    Ich bin auch über das #litnetzwerk auf deinen Blog gestoßen. Die Thematik gefällt mir wirklich sehr gut & ich werde auf jeden Fall noch weiterstöbern!

    Grüße,
    Pia

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