Von Ulysse bis Galen: Antikenrezeption im „Planet der Affen“

Planet der Affen: Der Roman

Das „Planet der Affen“-Franchise beruht auf dem 1963 veröffentlichten Roman „La Planète des singes“ des französischen Schriftstellers Pierre Boulle. In dem Roman reist der Reporter Ulysse Mérou mit zwei Wissenschaftlern zu einem Planeten im Beteigeuze-System, wo die Besucher von der Erde überrascht feststellen, dass hier Affen eine Zivilisation errichtet haben, während die örtlichen Menschen nicht einmal der Sprache mächtig sind. Nach vielen Abenteuern gelingt es Ulysse schließlich, den Planeten der Affen zu verlassen und in seine Heimat zurückzukehren. Doch auf der Erde erwartet ihn eine böse Überraschung …

Der Name des Protagonisten ist sicherlich kein Zufall, handelt es sich bei Ulysse doch um die aus dem Lateinischen abgeleitete französische Variante des griechischen Namens Odysseus, womit in Anlehnung an die homerische Odyssee traditionell auf eine umherreisende oder umherirrende Person verwiesen wird.

Doch auch einige der Affen, auf die Ulysse im Rahmen der Erzählung trifft, tragen Namen, die schnell an die Antike denken lassen. So gibt es einen Cornélius und einen Zaius, während die Besucher von der Erde einer der menschlichen Frauen des Planeten den Namen Nova verleihen.

Im Laufe der Handlung hat Ulysse gewisse Schwierigkeiten, die Affen von seiner Intelligenz zu überzeugen, da diese natürlich seine Sprache nicht verstehen können. Schließlich kommt ihm aufgrund eines nicht näher umschriebenen Zukunftsromans, den er als Kind gelesen hat, eine Idee. Ulysse zeigt Dr. Zira, dass er den Satz des Pythagoras kennt, wobei er davon ausgeht, dass dieser so grundlegend ist, dass er im Universum allgemein verbreitet sein muss und sich daher für eine Kontaktaufnahme anbietet, was ebenso für die Axiome des Euklid gelte.

Der Planet der Affen: Der Film

Bereits 1968 erfolgte eine erste Verfilmung, die zumindest die Grundidee des Romans übernahm. Zwar wurde Ulysse Mérou in der US-Produktion in den von Charlton Heston verkörperten George Tylor umgewandelt, doch haben die Filmschaffenden die lateinischen Namen der Affen beibehalten und sogar weiter ausgebaut. So treffen wir nun nicht nur auf Nova, Dr. Cornelius und Dr. Zaius, sondern auch noch auf Dr. Honorius, Dr. Maximus, Lucius, Julius und schließlich Dr. Galen.

Einen Dr. Galen einzuführen, erweist sich in diesem Kontext als eine großartige Idee, da Galenos von Pergamon der Name eines der berühmtesten Ärzte der Antike war. Und wie dieser antike Galen Affen untersuchte, um die Anatomie des Menschen zu verstehen, haben wir bei „Planet der Affen“ einen Schimpansen-Tierarzt namens Galen, der Menschen erforscht und behandelt. Dr. Galen kommt in dem Film eher am Rande vor, doch ist die Idee, diese kleine Antikenrezeption einzubauen, meiner Meinung nach wirklich großartig. Der Name passt an dieser Stelle zu gut, um ein Zufall zu sein.

Fazit

Das Buch „Planet der Affen“ weist eine eher marginale Antikenrezeption auf, die sich auf die Verwendung bestimmter Namen und einen Bezug zu Pythagoras und Euklid beschränkt. Der Film nennt zwar den Hauptdarsteller um, baut dafür aber das lateinische Namensystem der Affen weiter aus, wobei die Idee mit Galen ein tolles zusätzliches Detail darstellt.

 

Weiterführendes

Wer mehr über den ersten „Planet der Affen“-Film und die Unterschiede zur Romanvorlage erfahren möchte, findet bei den Kollegen von Data sein Hals eine schöne Podcast-Episode zu dem Thema.

Planet der Affen
Photo: Michael Kleu

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