Die Romulaner: Weltraum-Römer im Star Trek-Universum

Die Romulaner und das Imperium Romanum

Dass die Romulaner des Star Trek-Universums an die antiken Römer angelehnt sind, ist mehr als offensichtlich. Das erste Mal begegnen wir ihnen 1966 in der 14. Folge der ersten Staffel der ursprünglichen Enterprise-Serie, die den Titel, Balance of Terror (Spock unter Verdacht) trägt. Hier treffen wir z.B. auf einen Charakter namens Decius und ein Besatzungsmitglied, das den Rang eines Centurion innehat. Im Laufe der weiteren Serien und Filme erfahren wir, dass die Romulaner wie ihre antiken Vorbilder von einem Senat regiert werden, wobei sie passend zu den Römern grundsätzlich als diszipliniert und relativ kriegerisch dargestellt werden. Im Film Star Trek: Nemesis kommt dann 2002 noch der Bruderplanet Remus hinzu, womit natürlich auf die römischen Gründerfiguren Romulus und Remus angespielt wird.

Das Imperium Romanum im Weltraum

Wie ist diese Rom-Rezeption aber zustande gekommen? Grundsätzlich war es 1966 keine neue Idee, das Imperium Romanum in den Weltraum zu verlegen, hatte Isaac Asimov dies doch bereits ab 1945 in seinen Foundation-Kurzgeschichten getan, wobei ihm Edward Gibbons History of the Decline and Fall of the Roman Empire aus dem Jahr 1776 als Inspiration diente.1 Im Fall von Star Trek erweist sich der Ursprung der Rom-Rezeption zwar als wesentlich weniger intellektuell, dafür aber als mindestens genauso schön.

U-Boot-Krieg in Raumschiffen

Der Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry hatte den Drehbuchautoren Paul Schneider damit beauftragt, für die Enterprise-Serie eine Folge zu schreiben, die den Kriegsfilm The Enemy Below (Duell im Atlantik, 1957) zur Vorlage nehmen sollte. Während im Film ein US-amerikanischer Zerstörer auf ein deutsches U-Boot stieß, sah sich die Enterprise in der Sciene Fiction-Variante mit einem romulanischen Raumschiff mit Tarnvorrichtung konfrontiert. Wie kommen wir aber jetzt vom Zweiten Weltkrieg zum Römischen Reich?

Vom Zweiten Weltkrieg zum Imperium Romanum

Wie es der Zufall so will, war Paul Schneiders Sohn zu diesem Zeitpunkt ein großer Fan der antiken Römer, weshalb Schneider Gene Roddenberry und Associate Producer John D.F. Black fragte, ob er das außerirdische Volk in Romulans – also Romulaner – umbenennen dürfe. Und da beide Verantwortlichen damit einverstanden waren, ist eines der prominentesten Völker des Star Trek-Universums bis heute mit dem Römischen Reich verbunden.2 Somit ist diese wohl bekannteste Antikenrezeption in Star Trek letztlich darauf zurückzuführen, dass ein Vater seinem Sohn eine kleine Freude bereiten wollte, was doch eine äußerst schöne Sache ist.

Romulaner TOS
Photo: Michael Kleu

Anmerkungen

  1. Vgl. hierzu Michael Kleu: Antikenrezeption in der Sciene Fiction – Eine kurze Einführung, S. 12 und Michael Kleu: Die Schlacht bei Zama habe ich nie verwunden- Antikenrezeption in ausgewählten Kurzgeschichten Isaac Asimovs, S. 106 aus dem folgenden Sammelband: Michael Kleu (Hg.): Antikenrezeption in der Science Fiction, Essen 2019.
  2. Vgl. hierzu John D.F. Blake in der Kurz-Dokumentation Sci-Fi Visionaries (Paramount Pictures, 2004). Laut Blake reagierte Roddenberry mit einem „I don’t care.“ auf die Frage.

4 Kommentare zu „Die Romulaner: Weltraum-Römer im Star Trek-Universum

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  1. Besonders eindeutig wird das in den Star Trek TOS folgen auch durch die Kostüme vermittelt. Die Uniformen und Helme der Romulaner errinnern stark an die Versuche in frühen Antikefilmen römische Legionäre darzustellen. Durch die Abstammung der Romulaner von den, forschenden und philosophierenden Vulcaniern könnte man auch parallelen zum populären Griechen/Römer Bild ziehen. Da oft die Griechen mit Philosophie und Wissenschaft und die Römer als expansionsfreudiger militärischer Neffe gesehen wird. Dies scheint mir aber losgelöst von der „trojanischen“ Abstammung der Römer entstanden zu sein.
    Intressant ist auch, dass das höchste Amt im romulanischen der Prätor ist und nicht ein Konsul.

  2. Wann der Praetor das erste Mal erwähnt wird, weiß ich nicht aus eigener Anschauung – laut Memory Alpha tritt er (als Bezeichnung, nicht dargestellt) bereits in Balance of Terror auf.

    Zentral wird der Praetor immer wieder mal in TNG und vor allem DS9 („Inter Arma Enim Silent Leges“, hier ist Koval der Praetor und ehemalige Prokonsul) erwähnt. Die Struktur ist wohl, dass der Praetor der Regierungschef des romulanischen Imperiums und der Prokonsul sein Stellvertreter ist. Es gibt auch einen Vize-Prokonsul.

    Ich finde immer wieder interessant, wie Star Trek bei den Romulanern mit dem Rom-Bezug kokettiert, aber eben ihn auch teils bricht. Was bemerkenswert konsequent umgesetzt ist, ist die Fremdartigkeit der Romulaner, die auf den Rom-Bezug dann doch wieder ganz andere Dinge aufgesetzt bekommen, und die „greifbare“ Regelbesessenheit. Das Rangsystem der Romulaner ist anders (die unteren Ränge eher römisch, die höheren abgewandelte US-Ränge – Stichworte Subcommander und Sublieutenant), aber greifbar. Dabei spielt sicher die Rom-Anspielung eine Rolle.

    Insgesamt macht aus meiner Sicht nicht nur der Antikenbezug (der sich, mit einer leichten Verfremdung, auch in manchen Ansichten der romulanischen Architektur z.B. in „Unification“ zeigt – ein rund gewordenes Forum Romanum als imperialer Senat und ich glaube mich auch an Anleihen an Insulae zu erinnern), sondern vor allem die Vielfalt der Eigenschaften der Romulaner sie zu einem der interessantesten Völker in Star Trek. Die Klingonen mit rot, zweckmäßig und kämpferisch, die Cardassianer als gestaltgewordenes 1984, sie sind eher eindimensional. Mit Rom-Bezug, Schönem und Häßlichem eng beieinander, dem Tal Shiar, der Flotte und der komplexen Beziehung zu Vulkaniern und Föderation finde ich immer wieder was Neues.

    Die Geschichte, wie wir zum Rom-Bezug der Romulaner gekommen sind, kannte ich noch nicht. Aber sie ist ja wirklich allerliebst!

    1. Liebe Talianna,

      was Du schreibst ist super interessant!

      Ich mache gerade einen Star Trek-Rewatch und bin jetzt mit TOS und TAS durch. Bei TNG und DS9 werde ich mal darauf achten.

      Praetor hört sich für mich auch irgendwie „undemokratischer“ an als Konsul, wobei ich gar nicht weiß, woran das liegt. Ich muss mal recherchieren, ob US-Amerikaner mit dem Begriff Praetor etwas assozieren, an das wir Europäer womöglich nicht sofort denken.

      Auf die Schnelle konnte ich nur in Italien, Rumänien und in der Schweiz moderne Praetoren finden.

      Viele Grüße!

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