Römische Arenen und Wilder Westen: Jasmin Jülichers „Stadt der Asche“

Ein Gastbeitrag der Autorin Jasmin Jülicher. Der Artikel schließt inhaltlich an einen früheren Beitrag der Autorin auf fantastischeantike.de an, der anhand des vom Alten Ägypten inspirierten Romans „Stadt der Sande“ die Reihe „Der Hüter“ vorstellt und die jeweilige Einarbeitung historischer Persönlichkeiten thematisiert. Zur Rezeption Ägyptens in „Stadt der Sande“ und Hintergrundinformationen zur Reihe geht es hier.

Paid with Blood – Bezahlt mit Blut

Das ist das Motto von Narau, der Stadt, in dem mein dritter Roman „Der Hüter – Stadt der Asche“ spielt.

„Stadt der Asche“ ist dabei der zweite Band meiner Steampunk-Krimi-Reihe „Der Hüter“ und spielt in der fiktiven Stadt Narau, einer Stadt im inneren eines Vulkankraters irgendwo in Südamerika. (Mehr über die Reihe „Der Hüter“ und die jeweilige Einarbeitung historischer Persönlichkeiten habe ich bereits hier auf fantastischeantike.de erzählt.)

Das Buch „Stadt der Asche“

„Stadt der Asche“ schließt direkt an die Ereignisse des ersten Bands „Stadt der Tiefe“ an und bringt die Hauptpersonen und auch den Leser an einen völlig neuen Schauplatz.

Hier einmal der Klappentext:

Narau, 1888

Freiheit.

Das erhoffen sich Alexander, Nic und Oliver nach ihrer Flucht aus Biota.

Doch direkt bei ihrer Ankunft in der Stadt Narau werden sie festgenommen und als Sklaven verkauft. Ihre neue Besitzerin verspricht ihnen zwar, sie gehen zu lassen – aber nur wenn sie ihre Tochter finden, die wie sechs weitere Menschen verschwunden ist.

Doch als die Leiche einer der Vermissten auftaucht, geht es plötzlich nicht mehr nur um Entführung. Und die Zeit für die Ermittlung verrinnt…

Jasmin Jülicher Stadt der Asche
Autorin Jasmin Jülicher mit „Stadt der Asche“

Und was hat nun „Stadt der Asche“ mit der Antike zu tun?

Tatsächlich ist „Stadt der Asche“ eine Mischung aus zwei verschiedenen vergangenen Epochen: Dem Wilden Westen und dem alten Rom.

Band 1 der Reihe „Stadt der Tiefe“ spielt in Biota, einer Stadt unter dem Meer, die von Wissenschaftlern geleitet und geprägt wird, alles ist von Vernunft und Intelligenz begleitet und es herrschen diejenigen über die Stadt, die ihr mit ihren Erfindungen und Entdeckungen am meisten gedient und genutzt haben.

In Band 2 wollte ich einen deutlichen Gegensatz zu dieser Stadt erschaffen. Narau ist brutal, eine Stadt in der Hitze eines Vulkans, voller Asche, Staub und Blut. Es fehlt die Ordnung, die Regelmäßigkeit und die kühle Beherrschtheit Biotas, denn hier regiert nur die Macht und diese wird gerne mit körperlichen Auseinandersetzungen demonstriert – und mit allerlei Schusswaffen.

Als Vorbild diente mir zunächst der Wilde Westen, aus dem ich auch einige der historischen Persönlichkeiten entliehen habe. Vor der Kulisse einer Wild-West-Stadt aus Lavagestein trifft der Leser auf Jesse James, Pat Garrett, Henry McCarthy, die Ford-Brüder und noch vielerlei andere Gestalten, die man aus der tatsächlichen Geschichte kennt und die in „Stadt der Asche“ in die Stadt eingeflochten wurden.

Dem Wilden Westen entstammt auch der Hang zu Duellen und der Kleidungsstil der Einwohner von Narau.

Doch der Wilde Westen allein beherrscht die Stadt nicht, mit den Bildern des Wilden Westens sind auch andere Ideen eingezogen, die sich für mich hervorragend miteinander kombinieren und die eine neuartige Gesellschaft entstehen lassen. Für die endgültige Version der Stadt habe ich den Wilden Westen und das alte Rom miteinander kombiniert. Dem alten Rom entstammen dabei die Idee einer Arena mit Spielen für das Volk, das Rangsystem und die Haltung anderer Völker als Sklaven.

Die Arena

Eine meiner Lieblingsszenen des Romans spielt sich in eben dieser Arena ab, leider darf ich nicht verraten, was dort geschieht, aber ich verspreche, es ist spannend 😉

Im alten Rom gab es viele Arenen, die bekannteste von ihnen ist wohl das Kolosseum in Rom, das zwischen 72 bis 80 n. Chr. errichtet wurde (und ursprünglich Flavisches Amphitheater hieß). Sie waren Schauplatz für sportliche Wettkämpfe, aber auch für Gladiatoren- und Tierkämpfe (munera et venationes).

Eine lange Zeit wurden die Amphitheater aus Holz gebaut und nach den Spielen wieder abgerissen, bis ein Zusammenbruch bei einer Aufführung im Jahr 27 n. Chr. Tausende Menschen das Leben kostete und danach Amphitheater nur noch feststehend und auf festem Grund errichtet werden durften. Eine Zeitlang wurden sie weiterhin aus Holz gebaut, später ging man zur steinernen Variante wie beim Kolosseum über.

Die Schätzungen über die Tiere und Menschen, die im Kolosseum zu Tode kamen, geht übrigens in die hunderttausende, genaue Zahlen sind nicht überliefert.

Die Arena in „Stadt der Asche“

In „Stadt der Asche“ fließt auch mehr als nur ein wenig Blut in der Arena, die aus schwarzem Vulkangestein gebaut ist. Während meine Hauptfiguren in Narau zu Besuch sind, werden Spiele in dieser Arena veranstaltet. Dabei kämpfen Sportler um den Sieg und Sklaven treten in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander an. Der Sieger sichert seinem Herrn ein schönes Preisgeld.

Durch das im Osten liegende „Tor des Lebens“ betraten die Gladiatoren früher die Arena – die Toten verließen sie durch „Das Tor Todes“ im Westen wieder, etwas, das ebenfalls seinen Weg in meinen Roman gefunden hat.

Und wie auch in der Geschichte, dienen die Spiele zum einen der Unterhaltung der freien Einwohner der Stadt (Brot und Spiele, eine praktische Methode, das Volk bei Laune zu halten und von echten Problemen abzulenken) und zum anderen sichern sie die Position der Machthaber.

Natürlich ist es wie in jedem meiner Bücher so: Die Darstellungen bilden nicht die geschichtlich exakte Vergangenheit ab. Stattdessen habe ich Aspekte des Wilden Westens und des alten Roms herausgesucht, die sich ergänzen und die zu der brutalen Ausstrahlung der Stadt Narau beitragen. Beim Lesen soll den Leser eine permanente Bedrohung begleiten, die darauf basiert, dass niemand sicher ist, sondern jederzeit etwas passieren könnte. Begangene Unrechte können nämlich durchaus in einer Tötung auf offener Straße resultieren, Waffen sind allgegenwärtig und über allem hängt die Hitze und der Staub der Stadt, gemischt mit dem Rauch der Fabriken. Und ein Serienmörder läuft frei umher und sucht sein nächstes Opfer.

Jasmin Jülichers Stadt der Asche
Photo: Jasmin Jülicher

Stadt der Asche

Stadt der Asche entführt den Leser also in das Jahr 1888 und in die Stadt Narau, wo die Haupersonen und auch der Leser sich mit einer Gesellschaft konfrontiert sehen, die eine Mischung aus altem Rom und Wilder Westen ist. Eingebettet in eine steampunkige Wild-West-Landschaft entwickelt sich ein Kriminalfall und die Ermittler heften sich an die Fersen eines grausamen Serienmörders.

Über die Autorin

Schon als Kind hat sich Jasmin Jülicher für Rätsel und düstere Geschichten begeistern können. Die Begeisterung für Rätsel führte dazu, dass sie in der 7. Klasse Latein wählte, wodurch ihre Liebe zur deutschen Sprache entfacht wurde. Gleichzeitig interessierte sie sich von klein auf für Naturwissenschaften, was schließlich das Studium der Biologie zur Folge hatte. An der Uni besuchte sie ein Seminar zum Thema „Krimis schreiben“, das nachhaltigen Einfluss auf sie ausüben sollte …

Mehr zu Jasmin Jülichers Biographie und Werk findet Ihr hier.

GastautorIn

3 Kommentare zu „Römische Arenen und Wilder Westen: Jasmin Jülichers „Stadt der Asche“

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  1. Liebe Jasmin,

    vielen Dank für die beiden schönen Artikel zur „Der Hüter“-Reihe!

    Was ich mich gerade noch fragte:

    Wie gehst Du bei der Recherche vor, wenn Du z.B. zu Ägypten oder zum alten Rom recherchierst? Nutzt Du Materialien, die online vorliegen, wie z.B. die Wikipedia, oder ziehst Du auch populärwissenschaftliche Überblickswerke und Fachliteratur heran?

    1. Lieber Michael,

      gerne doch 🙂

      Ich nutze viele Online-Materialien, Wikipedia allerdings nur für den groben Überblick, da dort zu vielen Themen die Tiefe fehlt. Diese recherchiere ich dann auf Seiten, die sich speziell diesen Themen gewidmet haben.
      Zum alten Rom habe ich allerdings auch viel aus meinen alten Lateinbüchern, zumindest zur Inspiration. Ich weiß, viele würden diese niemals wieder anfassen, ich mag sie aber 😀 Außerdem findet man dort eine Übersicht über alle Belange des römischen Lebens.

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