Assassin’s Creed Odyssey – Eine Einführung (Jan Joerißen)

Assassin’s Creed im antiken Griechenland

Assassin’s Creed Odyssey ist ein Videospiel des französischen Publishers Ubisoft. Das Spiel ist der zwölfte Teil der Videospielreihe Assassin’s Creed, die bekannt ist für ihre historischen Settings. Assassin’s Creed Odyssey spielt, wie der Name schon vermuten lässt, im antiken Griechenland. Jedoch nicht in dem sagenumwobenen Heldenzeitalter des Odysseus, sondern überwiegend in der Zeit des Peloponnesischen Kriegs, sowie episodenhaft in der Zeit der Perserkriege.[1]

Somit umfasst das Spiel im Rahmen seines in der Antike angesiedelten Erzählstrangs einen Zeitraum von circa 480 v.Chr. – 422 v.Chr. Neben den antiken Passagen gibt es auch einen Erzählstrang in der Gegenwart, der dem Spiel eine Rahmenhandlung verleiht und als Erklärung für verschiedene Phänomene im weiteren Spielverlauf genutzt wird. In Form einer Erweiterung des Hauptspiels („Das Schicksal von Atlantis“) können zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Elysium, dem Hades und Atlantis außerdem drei mythische Orte aufgesucht werden.

Lernen mit Leonidas

Das Spiel beginnt mit der Schlacht bei den Thermopylen 480 v.Chr.,[2] in der die Spieler:innen die Rolle des spartanischen Königs Leonidas einnehmen. Dieser Spielabschnitt dient vornehmlich dazu die Spieler:innen mit den Spiel- und Kampfmechaniken vertraut zu machen. Der Hauptteil des Spiels findet circa 431 v.Chr. statt, also zu Beginn des Peloponnesischen Kriegs,[3] und endet circa 422 v.Chr. mit der Schlacht bei Amphipolis. Diese Zeitspanne schließt nicht nur viele bekannte Örtlichkeiten ein, die zu dieser Zeit existierten, sondern auch einige historische Persönlichkeiten, die aus zeitgenössischen Quellen und Literatur bekannt sind.

Thermopylen Assassin's Creed Odyssey
Die Schlacht bei den Thermopylen (Assassin’s Creed® Odyssey)

Genre und Spieleigenschaften

Neben den inhaltlichen Aspekten der Erzählung des Spiels ist es hilfreich zu verstehen, welche Art Videospiel die Entwickler:innen gewählt haben und wie sich dies auf die spielerischen Handlungen auswirkt. Das Genre des Spiels ist ein Hybrid aus dem klassischen Rollenspiel, das seine Wurzeln in dem 1983 veröffentlichten Pen-&-Paper Rollenspiel Dungeons and Dragons findet, und dem Action Genre, welches Spiele bezeichnet, die Schnelligkeit und Geschicklichkeit von den Spieler:innen erfordern. Die Kurzbezeichnung dieser Art Spiel ist daher auch als Action RPG (Action Role Play Game) bekannt.

Der Rollenspielaspekt

Der Rollenspielaspekt formt sich durch ein breitgefächertes Spezialisierungssystem an Kampffähigkeiten aus, in dem Spieler:innen sich für eine bestimmte Rolle entscheiden können. In Assassin’s Creed Odyssey ist es möglich, wie der Name des Spiels impliziert, die Rolle eines Attentäters (bzw. einer Attentäterin) anzunehmen, der sich leise mit versteckter Klinge über Dächer und enge Gassen zwängt.

Eine andere Option ist die Kriegerklasse, die mit Schwert und einer zweiten freiwählbaren Waffe offen im Kampf agiert. Jedoch haben die Entwickler:innen auf einen Schild für diese Klasse verzichtet, um dem Spiel mehr Geschwindigkeit zu verleihen.[4] Dies erscheint besonders bemerkenswert, da der klassische griechische Krieger als Soldat in der Phalanx ein Schild trägt.[5]

Die dritte Klasse widmet sich dem Geschick mit Pfeil und Bogen und begünstigt Spieler:innen, die eher leiser vorgehen möchten, ohne eine versteckte Klinge zu nutzen oder auf dem offenen Feld zu agieren.

Flexibler Spielstil

Jedoch sind die Spieler:innen an keine dieser Rollen dauerhaft gebunden. Es steht ihnen frei, jede Fähigkeit zu erlernen und ihren Spielstil anzupassen. Die Spieler:innen sammeln durch verschiedene Aufgaben im Spiel Erfahrungspunkte sowie virtuelle Drachmen und Naturalien, die ihnen ermöglichen neue Fähigkeiten zu erlernen und Waffen und Rüstungen zu verbessern. Manche Waffen und Rüstungen sind an bestimmte Rollen geknüpft und bieten Vorteile, die andere Rüstungen nicht bieten. Eine leichte Rüstung und zwei Dolche begünstigen eher den Spielstil des Attentäters als den des Kriegers.

Fähigkeitenbaum Assassin's Creed Odyssey
Der Fähigkeitenbaum (Assassin’s Creed® Odyssey)

Non-player characters

Die Spielwelt von Assassin’s Creed ist bevölkert von sogenannten non-player characters (kurz: NPC). Jede lebende Kreatur im Spiel, mit Ausnahme der Spielerfigur, zählt dazu. Sei es der Löwe in der Wildnis oder der Krieger auf dem Schlachtfeld. Es gibt zudem Charaktere, die den Spieler:innen bei ihrer Reise passiv begleiten oder aktiv zusammen mit ihnen kämpfen. Weiterhin geben uns Charaktere Aufgaben und Hinweise, die die Handlung des Spiels vorantreiben und den Fortschritt der Spieler:innen sichern.

Die Spielerfigur kann, wenn sie mit NPCs spricht, mit verschiedenen Dialogoptionen eine Konversation in bestimmte Richtungen lenken und den Verlauf der Handlung ändern oder gar verkürzen. Neben den Gesprächen mit NPCs können die Spieler:innen auch mit Händlern Handel treiben und ihrer Berufung als Söldner:in nachgehen sowie Botenaufträge erledigen oder Kopfgelder einstreichen.

Die Spielwelt

Das Spiel zählt außerdem zum Genre der Open World-Spiele und erlaubt es den Spieler:innen die gesamte Spielwelt frei zu erkunden. Anders als bei einem klassischen Videospiel mit verschiedenen Leveln, die abgeschlossene Bereiche in sich sind, ist die offene Spielwelt frei erkundbar mit Ausnahme einiger weniger Orte, die die Spieler:innen handlungsbedingt erst ab einem bestimmten Zeitpunkt betreten können.

Die Spielwelt erstreckt sich über das griechische Mutterland bis nach Makedonien und umfasst große Teile der Ägäis und ihrer Inseln. Die Insel Kreta bildet den südlichsten Punkt der Spielwelt. Andere griechische Besiedlungsgebiete wie Thessalien, Ionien oder Sizilien sind nicht im Spiel vorhanden. Die Spielwelt ist zudem etwas gestaucht, so dass einige Landstriche fehlen, was womöglich darin begründet ist, dass es spielerisch wenig Unterhaltung bieten würde, wenn man mehrere Stunden zu Fuß unterwegs sein müsste, um ein Ziel zu erreichen.[6]

Karte Assassin's Creed Odyssey
Die Spielwelt von Assassin’s Creed Odyssey (Assassin’s Creed® Odyssey)

See- und Strandschlachten

Dreh- und Angelpunkte des Spiels sind Athen und Sparta, denn während des Spielgeschehens besteht immer die Möglichkeit See- oder Strandschlachten gegen eine der beiden Fraktionen zu schlagen. Je nach Ausgang der Schlacht wird dann ein Gebiet von der Siegerfraktion besetzt, sodass man in den Lagern und Städten die jeweilige vorherrschende Fraktion antrifft samt Anführer. Die Schlachten enthalten jedoch keineswegs wie in den historischen Quellen taktische Manöver, sondern erinnern eher an ein Scharmützel.

Environmental Storytelling

Neben der klassischen Erzählweise bieten viele Open World-Spiele Environmental Storytelling. So nennt man kleine Erzählungen, die sich meist nur durch eine Notiz oder durch die selbsterklärende Konstellation eines Raums ergeben. In Assassin‘s Creed Odyssey gibt es beispielweise versteinerte, wie natürlich aus dem Fels gewachsene Statuen, die Legenden und Mythen aus der griechischen Sagenwelt darstellen. Am Parnassgebirge beispielsweise finden wir einen Sisyphos samt Felsen, den er den Berg versucht hochzustemmen. Diese versteinerten Mythen sind überall in der Spielwelt verteilt, ebenso wie die Ruinen der Minoischen und Mykenischen Kultur. Die Entwickler:innen wollten somit deutlich machen, dass nicht nur uns Ruinen aus der Antike umgeben, sondern auch die antiken Menschen auf die Ruinen vergangener Kulturen blickten.[7]

Sisyphos Assassin's Creed Odyssey
Environmental Storytelling: Sisyphos (Assassin’s Creed® Odyssey)

Rahmenhandlung der Assassin’s Creed Spiele

Inhaltlich ist das Spiel in die große Rahmenhandlung der Assassin’s Creed Reihe eingefasst. In dieser fiktiven oder alternativen Realität befindet sich die Bruderschaft der Assassinen im ewigen Konflikt gegen die sogenannten Templer, welche sich aus dem gleichnamigen realexistierenden Ritterorden von 1120 entwickelt haben.[8] Diese beiden Fraktionen suchen Artefakte der hoch technologisch entwickelten „Isu-Zivilisation“.

Die Isu

Die Isu haben nicht nur technologische Artefakte hinterlassen, sondern sind auch die Schöpfer:innen der Menschheit. Dieser Umstand führt dazu, dass diverse mythische Figuren wie die des römischen und griechischen Götter-Pantheons eigentlich Isu waren, die den erschaffenen Menschen göttlich vorkamen.

Nach dem Verschwinden der Isu wurden diese jedoch weiterhin von den Menschen verehrt und entwickelten sich später zu Mythen. Nur die Assassinen und Templer wissen um die Existenz von Artefakten und weiteren Hinterlassenschaften der Isu. Beide Fraktionen haben oft Mitglieder, die weltpolitisch von hohem Rang sind, und beide versuchen die Geschicke der Weltpolitik für sich zu entscheiden und die Artefakte vor dem Missbrauch durch die jeweils konkurrierende Fraktion zu bewahren. Dieser Konflikt zieht sich bis in die Gegenwart.

Die Archäologin und Technikexpertin Layla Hassan

Layla Hassan, die Protagonistin des in der Gegenwart angesiedelten Handlungsstrangs, ist eine Archäologin und Technikexpertin sowie ein ehemaliges Mitglied der Templer, das sich nun den Assassinen angeschlossen hat. Sie nutzt eine Maschine, die anhand von DNS-Strängen die Erinnerungen einer Person in eine Art erlebbares VR-Erlebnis umwandelt. Ein Konzern der Templer namens Abstergo entwickelt dieses Gerät und vertreibt es kommerziell, um mehr Zugänge zu Erinnerungen der Menschen zu bekommen und deren Vorfahren, die wieder Hinweise zu Isu-Artefakten geben können.

Layla Hassan Assassin's Creed Odyssey
Layla Hassan (Assassin’s Creed® Odyssey)

Herodots Historien

Durch ihre Forschung über die Isu fand Layla Hassan das letzte Buch der Historien des Herodot, in dem Herodot selbst Forschungen und Beobachtungen zu Isuartefakten anstellt und über die beiden antiken Protagonisten Kassandra und Alexios schreibt.

Dieses Buch führt sie auf die Fährte zu dem Überrest des Speers von König Leonidas. Dieser Speer ist ebenfalls ein Isu-Artefakt, das an die Nachfahr:innen des Leonidas weitergegeben wurde. DNS-Spuren auf dem Speer ermöglichen Layla mit Hilfe des Animus das antike Griechenland aus der Perspektive der Geschwister Alexios und Kassandra zu erleben.

Wählt man nun eines der beiden Geschwister aus, nachdem Layla sich an den Animus angeschlossen hat, beginnt die eigentliche Handlung im antiken Griechenland. Welchen Geschwisterteil die Spielerinnen wählen, hat nur den Effekt, dass die Rollen in der Handlung vertauscht werden. Die Geschichte aus der Sicht von Kassandra wird jedoch vom Publisher Ubisoft als die „kanonische“ Variante gehandhabt.

Handlungsstränge

Die Handlung beginnt auf der Insel Kephallenia im Ionischen Meer, auf der Kassandra zusammen mit ihrem handzahmen Adler Ikarus lebt. Sie bestreitet ihren Lebensunterhalt dort als Söldnerin und gerät in einen Konflikt mit einem ansässigen Bandenanführer, der ihren Ziehvater Markos bedroht. Ein Mann namens Elpenor betritt die Bühne und bietet Kassandra Informationen über den Verbleib ihrer leiblichen Eltern an. Im Gegenzug dazu verlangt er, dass sie einen Auftragsmord an einem spartanischen Heerführer mit dem klangvollen Namen „der Wolf von Sparta“ begeht. (Dieser Elpenor weist übrigens keinerlei Gemeinsamkeiten oder Referenzen zum gleichnamigen Gefährten des Odysseus auf.)

Kassandra muss dafür die Insel verlassen und benötigt ein Schiff, das Elpenor ihr zusichert, welches jedoch in den Händen des Banditenanführers ist, der sich im Konflikt mit Kassandras Ziehvater Markos befindet. Kassandra stellt sich dem Kampf gegen die Banditen, gewinnt und rettet im gleichen Zug einen Kapitän samt Mannschaft, der von den Banditen gefangen gehalten wurde. Der Kapitän Barnabas bietet ihr aus Dank sein Schiff und seine Mannschaft an. Dies ermöglicht Kassandra die Überfahrt nach Megara, in dem sich ihr Ziel aufhalten soll.

Adrasteia Assassin's Creed Odyssey
Die Adrasteia (Assassin’s Creed® Odyssey)

Kassandras Geschichte

In Megara angekommen erfährt sie, dass der Wolf von Sparta eigentlich ihr Vater ist. Als er sich ihr offenbart, beginnt im Spiel eine Rückblende in ihre Kindheit etwa 446 v.Chr. Dort erfährt der Spieler wie die Pythia[9] prophezeit, dass das jüngste Kind des Nikolaos – also dem späteren Wolf von Sparta – die Stadt ins Verderben reißen wird und daher den Göttern geopfert werden muss, um das Unheil zu vermeiden. Ganz Sparta verpflichtet, findet sich Nikolaos samt Priestern und Familie an einer Klippe im Taygetosgebirge ein, um die rituelle Opferung des Kindes zu vollziehen.

Die junge Kassandra versucht in letzter Sekunde das Ritual aufzuhalten und stürzt sich auf den Priester, der ihren kleinen Bruder Alexios trägt. Durch Kassandras Eingreifen stürzt der Priester samt Alexios die Klippe hinab. Die versammelten Priester fordern nun Vergeltung für die Tötung des Priesters und die Störung des Rituals. Sie fordern Nikolaos auf gegen seinen Willen und den Willen seiner Frau Kassandra ebenfalls die Klippe hinabstürzen. Nikolaos folgt den Befehlen der Priesterschaft. Kassandra überlebt den Sturz und wird später von Markos gefunden und nach Kephallenia gebracht.

Der Kult des Kosmos

Die Rückblende endet und die Spieler:innen stehen nun vor der Wahl Rache an Nikolaos zu nehmen oder ihn zu verschonen. Ungeachtet dessen wie diese Entscheidung ausfällt, möchte Kassandra herausfinden, warum Elpenor ihr den Auftrag gab ihren eigenen Vater zu töten. Sie sucht ihn auf und er stellt sich als ein Mitglied eines Kultes des Kosmos vor. Dieser Kult kontrolliert aus dem Untergrund die griechische Welt und ist unter anderem für den Krieg zwischen Athen und Sparta verantwortlich. Kassandra tötet ihn und findet einen Hinweis darauf, dass der Kult seine Machtzentrale im Heiligtum von Delphi hat.

Das Orakel von Delphi

Dort angekommen sucht sie das Gespräch mit der Pythia, welche nur in Rätseln spricht. Unzufrieden mit der Antwort, hakt Kassandra nach und bittet um deutliche Worte. Die Pythia gibt nun nach und erzählt ihr vom Kult des Kosmos und dass ebendieser sie selbst als Sprachrohr nutzt, um die Geschicke der griechischen Welt zu steuern. Kultmitglieder, die sich verdeckt im Tempel aufhalten, reagieren sofort, als sie die Aussagen der Pythia hören und verschleppen sie umgehend.

Orakel von Delphi Assassin's Creed Odyssey
Das Orakel von Delphi (Assassin’s Creed® Odyssey)

Kassandra trifft Herodot

Vor dem Tempel des Apollon in Delphi trifft Kassandra auf die erste große historische Berühmtheit ihrer Zeit: den Historiker Herodot. Besonderes Interesse hat er für Kassandras Speer, da er ihn für ein magisches Relikt hält. Kassandra erzählt ihm von den jüngst erfahrenen Informationen zum Kult und zur Pythia und klärt ihn über die Abstammung ihres Speeres auf. Herodot ist überzeugt gegen den Kult vorzugehen und möchte den Speer weiter erforschen und schließt sich kurzerhand Kassandras Suche an.

Durch die Informationen der Pythia findet Kassandra heraus, dass der Kult unter dem Tempel in Delphi tagt. Dort befindet sich außerdem ein weiteres Artefakt der ehemaligen Isu-Zivilisation. Kassandra verkleidet sich als Kultmitglied und tritt der Versammlung unter dem Tempel bei. Alle Mitglieder dort sind anonym und durch lange Mäntel und Theatermasken nicht zu erkennen. Es stellt sich jedoch sehr schnell heraus, dass die Kultisten alle Aristokrat:innen bzw. einflussreiche Menschen der griechischen Welt sind und von einem Anführer mit dem Namen Deimos angeführt werden. Kassandra erfährt durch die Versammlung, dass nach ihr und ihrer Mutter gesucht wird und der Kult alle Anstrengung darauf verwendet sie zu finden.

Sokrates, Perikles und Alkibiades

Da Kassandra nun weiß, dass ihre Mutter noch lebt, möchte sie sie finden, bevor der Kult dies tut. Auf der Suche nach ihrer Mutter Myrrine trifft sie auf berühmte Zeitgenossen wie den Philosophen Sokrates, den Staatsmann Perikles oder den späteren Feldherrn und Lebemann Alkibiades, die ihr helfen Hinweise zum jeweiligen Verbleib ihrer Mutter und ihres Bruders zu finden. Alle Nebencharaktere verfolgen dabei eigene Ziele, was Kassandra oftmals von ihrem eigentlichen Ziel abschweifen lässt. So muss sie unter anderem die Pest in Athen mitbekämpfen oder den spartanischen Königen Gefallen erweisen. Das ultimative Ziel bleibt jedoch die Suche nach ihrer Mutter und ihrem Bruder. Nachdem dies geschafft ist, geht die Geschichte dazu über die Machenschaften des Kultes zu unterbinden.

Athen Assassin's Creed Odyssey
Athen (Assassin’s Creed® Odyssey)

Atlantis in Assassin’s Creed Odyssey

Ein Handlungsstrang führt uns in die sagenumwobene Stadt Atlantis, welche sich in der Spielwelt von Assassin‘s Creed Odyssey unter dem inaktiven Vulkan der Insel Thera, dem heutigen Santorin befindet. Dort bekommen wir die Aufgabe vier weitere Isu-Artefakte zu finden, die den Wissensschatz der Stadt wieder reaktivieren und zugänglich machen sollen. Dies ist auch eine Schnittstelle zu der Gegenwartgeschichte des Spiels. Die Protagonistin Layla hat diese Reise ins antike Griechenland schließlich angetreten, um Isu-Artefakte zu finden und vor den feindlichen Templern zu verstecken.

Die Wächter: Sphinx, Zyklop und Minotauros

Die vier Artefakte, die gesucht werden, werden von Wächtern bewacht, die alle in Erscheinung von bekannten griechischen mythischen Ungeheuern auftreten. Ihre Existenz ist im Grunde nur ein Trugbild des Artefakts, das sich so selbst zu schützen versucht. So muss Kassandra das Rätsel der Sphinx lösen wie einst Ödipus, einen Zyklopen besiegen wie Odysseus und die Gorgone Medusa enthaupten wie Perseus. Das letzte Artefakt führt nach Kreta, in die Ruinen des Palasts von Knossos, in dessen unterirdischem Labyrinth der Minotauros das Artefakt in sich trägt. Sind die Wächter besiegt, ermöglicht dies Layla in der Gegenwart Atlantis zu betreten. Darauf aufbauend stützen sich auch die drei Erweiterungen des Spiels, die eine Reise in mythische Orte wie das Elysium und den Hades erlauben.

Die Jagd auf den Kult

Der letzte Handlungsstrang des Spiels ist vielmehr eine Hexenjagd auf die Mitglieder des Kultes des Kosmos. Kassandra soll ein Mitglied nach dem anderen finden und töten, um den Kult zum Erliegen zu bringen und dessen Einmischen in die Politik und Religion der Stadtstaaten zu beenden. Sind alle führenden Mitglieder getötet, offenbart sich letztlich die zentrale Person, die den Kult steuert.

Virtuelle Geschichte und Rezeption

Die Entwickler:innen von Assassin‘s Creed werden in Interviews und in eigenen Publikationen nicht müde zu erwähnen, sich besonders um authentische und historisch akkurate Spielwelten zu bemühen.[10] Ubisoft hat eigens dafür den Historiker Maxime Durand eingestellt, der die nötigen Recherchen betreibt und Kontakte zu anderen Historiker:innen, Archäolog:innen und Kunsthistoriker:innen herstellt.[11] So wird versucht Arbeits- und Lebensalltag der Zeit nach historischen Quellen und archäologischen Befunden nachzustellen. Unter anderem findet man in Athen auch einen Töpferbezirk und kann dort den virtuellen Alltag eines Töpfers in der Antike beobachten.[12]

Auch die Rekonstruktion historischer Orte spielt eine große Rolle. Zugunsten des Spielflusses und der technischen Limitierungen sind 1:1-Rekonstruktionen der Landschaften und Städte nicht möglich. Dort, wo die archäologischen Befunde dünn gesät sind, wie in Sparta zum Beispiel, bedienen die Entwickler:innen sich an historischen Quellen wie Pausanias, der Teile der Stadt beschrieb. Die Umsetzung im Spiel ist daher in vielen Fällen eine rein hypothetische, die in ihren Grundzügen aber die Orte authentisch darstellt. Auch Waffen und Rüstungen sind laut Entwickler:innen von realen archäologischen Funden und antiken Abbildungen inspiriert.[13] Banner und Fahnen in den Poleis haben die Entwickler:innen nach Motiven von antiken Münzfunden gestaltet.

Sparta Assassin's Creed Odyssey
Sparta (Assassin’s Creed® Odyssey)

Die Discovery Tour

Die 2019 veröffentlichte „Discovery Tour“ zu Assassin’s Creed Odyssey bietet den Spieler:innen an, die Spielwelt völlig ohne Quests und Kämpfe zu begehen. Stattdessen können sie verschiedene Touren an berühmten Orten durchgehen, die nähere Informationen zur Geschichte dieses Ortes offenbaren oder auch Aufschluss über Entscheidungen des Entwicklerteams bei der Darstellung eines bestimmten Sachverhalts im Spiel geben. Dies gibt auch an vielen Stellen Aufschluss darüber, mit welchen Quellen die Entwickler:innen arbeiteten.

Anmerkungen

[1] Eder, Walter, DNP online, s.v. Perserkriege, abgerufen: 13.07. 2020, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e915080.

[2] Errington, Robert Malcolm, DNP online, s.v. Amphipolis, abgerufen: 13.07. 2020, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e118800.

[3] Schmitz, Winfried, DNP online, s.v. Peloponnesischer Krieg, abgerufen: 13.07. 2020, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e912670.

[4] Siehe auch: https://www.youtube.com/watch?v=MjW9amuoQgE&feature=emb_title (Abgerufen am 05.06.2020).

[5] Burckhardt, Leonhard, DNP online, s.v. Phalanx, abgerufen: 13.07.2020, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e917830.

[6] Vgl. hierzu Kleu, Michael, UBISOFTS „Assassin’s Creed Odyssey“: Die neue Darstellung der antiken Geographie, in: Orbis Terrarum 18 (2020), S. 267-271.

[7] Danserau, Thierry, Hall, Benjamin, Das Artwork von Assassin’s Creed Odyssey, München 2018, S.62.

[8] Demurger, Alain, LexMA – online, s.v. Templer, I. Gründung, abgerufen: 13.07.2020, http://apps.brepolis.net/lexiema/test/Default2.aspx.

[9] Das Orakel im Apollon Tempel in Delphi. Vgl.: Scherf, Johannes, Decker, Wolfgang, Pythia, in: DNP online, s.v. Pythia, abgerufen: 13.07.2020, http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1016090.

[10] Siehe auch: https://assassinscreed.ubisoft.com/game/de-de/news-updates/335015/behind-the-odyssey-video-series-recap (abgerufen am 08.07.2020). Vgl. Danserau, Thierry, Hall, Benjamin, Das Artwork von Assassin’s Creed Odyssey, München 2018, S.113.

[11] Siehe auch: https://www.historischer-augenblick.de/maxime-durand/ (abgerufen am 08.07.2020).

[12] Siehe auch: https://www.youtube.com/watch?v=-a8cWF-29lI (abgerufen am 08.07.2020).

[13] Danserau, Thierry, Hall, Benjamin, Das Artwork von Assassin’s Creed Odyssey, München 2018, S.57.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte stimme den Datenschutzbestimmungen zu.

Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑